westsidestoriesCenter Manager Karl Weingrill im Interview

Karl Weingrill im Interview: „Man muss einfach dranbleiben“

Als Karl Weingrill 2014 die Verantwortung für das EKZ west übernimmt, ist er der „Wiener in Tirol“. Heute, 12 Jahre später, ist er vor allem ein vertrautes Gesicht, Netzwerker, Möglichmacher – und jemand, der viel Herzblut in „sein“ west gesteckt hat. Zeit für einen persönlichen Rückblick vor seinem Rückzug.

Herr Weingrill, erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Tag im west?
Natürlich! Die Eigentümerin, die Raiffeisen Leasing GmbH, hatte hohe Erwartungen. Aber genau das hat mich gereizt. Ich wollte gestalten, etwas bewegen. Und ich hatte von Anfang an ein starkes Kernteam, auf das ich mich verlassen konnte. Das war entscheidend.

Wie war der Start als Wiener in Tirol?
Man wird hier schon genau beobachtet. Bei der ersten Mieterversammlung wurde durchaus Skepsis geäußert. Es hieß, man könne sich nicht vorstellen, dass sich wirklich etwas bewegt, wenn ich nicht täglich vor Ort bin. Ich habe deshalb stark auf Kommunikation gesetzt – regelmäßige Versammlungen, transparente Protokolle, Einbindung der Zentralen. Das war in dieser Form neu und hat den Austausch verändert. Mit Initiativen wie der Reisefotoausstellung, den E-Mobilitätstagen oder dem Ferienzug konnten wir zusätzlich Impulse setzen. Vertrauen entsteht nicht über Nacht – aber wenn es einmal da ist, trägt es weit.

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Was hat sich in diesen 12 Jahren am meisten verändert?
Das Selbstverständnis. Wir sind heute kein klassisches Shoppingcenter mehr, sondern ein Stadtteilzentrum. Der Branchenmix wurde bewusst neu ausgerichtet: Der Textilanteil ist von rund 30 Prozent auf etwa 13 Prozent gesunken, dafür haben wir Dienstleistungen gestärkt. Mit Fitnessstudio, Fahrschule, Apotheke, Postfiliale – inklusive eigener Postleitzahl 6026 – und direkter Straßenbahnanbindung ist das west heute ein multifunktionaler Standort. Auch die Nähe zur Schule prägt das Haus. Diese Vielfalt macht uns unabhängiger und zukunftsfähiger.

Gab es besondere Meilensteine?
Die Fünf-Jahr-Feier war sicher ein prägender Moment. Nur eineinhalb Jahre nach der Übernahme aller Anteile durch Raiffeisen Leasing war sichtbar, wie viel sich bereits bewegt hatte. Auch die Eröffnung des ersten österreichischen Großraumkonzepts von TEDi im Obergeschoß war zu diesem Zeitpunkt ein starkes Signal. Und natürlich war die Coronazeit eine Herausforderung für die gesamte Branche. Dass wir es im Shoppingcenter-Report damals aufgrund unseres Branchenmixes unter die Top fünf in Österreich geschafft haben, war ein schönes Zeichen dafür, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Was war Ihr persönliches Highlight?
Dass wir als Team mutig geblieben sind. Mir wurde zu Beginn gesagt, den Posten als Center Manager zu übernehmen, sei gewagt. Aber ich habe es nie bereut. Das west hat unter den elf Projekten, die ich für Raiffeisen Leasing betreue, immer einen besonderen Stellenwert eingenommen.

Was hilft Ihnen, wenn es schwierig wird?
Positiv zu bleiben – und den Humor nicht zu verlieren. Mit dieser Haltung findet man fast immer eine Lösung. Und ich glaube, eine gewisse Gelassenheit schadet in dieser Position auch nicht. (lacht)

Welche Begegnungen werden Ihnen besonders in Erinnerung bleiben?
Die vielen unterschiedlichen Menschen. Die Wanderungen mit dem Kernteam, die Zusammenarbeit mit der Schule, die Gespräche mit Mieter:innen und Partner:innen. Über die Jahre sind echte Freundschaften entstanden – auch mit Tiroler:innen, die anfangs vielleicht noch etwas reserviert waren.

Ihre Zeit im west neigt sich dem Ende zu. Werden Sie Tirol dennoch erhalten bleiben?
Beruflich ziehe ich einen klaren Schlussstrich – das gehört dazu. Aber Tirol bleibt ein wichtiger Teil meines Lebens. Über die Jahre sind hier viele Freundschaften entstanden und die werde ich selbstverständlich weiter pflegen. Und privat zieht es mich und meine Familie ohnehin immer wieder in die Berge. Ganz loslassen werde ich Tirol also sicher nicht.

Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger?
Dass er seinen eigenen Stil einbringt und das west erfolgreich weiterführt. Und dass er sich hier genauso willkommen fühlt, wie ich es getan habe.

Und was wünschen Sie dem west selbst?
Dass der Multifunktionscharakter erhalten bleibt. In den vergangenen Jahren haben wir eine Basis geschaffen, auf der sich das Zentrum nachhaltig entwickeln kann. Diese Mischung aus Nahversorgung, Dienstleistungen und Begegnung ist seine große Stärke.