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Sascha Kuntel im Interview: „Jede boesner-Filiale ist ein Unikat“

Seit Juli ist boesner im EKZ west zu Hause – der erste Standort des international tätigen Familienunternehmens in Westösterreich. Im Interview spricht Österreich- Geschäftsführer Sascha Kuntel über den Einzug, die ersten Wochen und darüber, was ihn am Handwerk hinter der Kunst so fasziniert.

Go-west: Im Juli hat boesner im EKZ west eröffnet. Wie waren die ersten Wochen?
Sascha Kuntel: Wir konnten schon viele Menschen bei uns begrüßen – kunstaffine Kreative, neugierige Kund:innen und Leute aus ganz Tirol, die uns vorher noch nicht gekannt hatten. Aber natürlich gibt es noch Luft nach oben. Wir bauen aktuell unsere Bekanntheit auf und hoffen, auch Kundschaft aus Südtirol oder Bayern verstärkt anzusprechen.

Wie haben die Tiroler:innen boesner als größten Kunstfachhandel Westösterreichs aufgenommen?
Durchwegs positiv. Bereits am ersten Tag war der Andrang groß. Mehr als 30.000 Artikel vor Ort, das hat viele neugierig gemacht. Und wir konnten gleich mit persönlicher Beratung punkten.
Die hauseigene Werkstatt für Einrahmungen, Keilrahmen und Passepartouts ist etwas Besonderes.

Wie gut wird das angenommen?
Der Passepartout-Zuschnitt kann bereits direkt in Innsbruck erfolgen. Bei den anderen Bereichen bauen wir schrittweise unser Angebot aus, um auch unsere hohen Ansprüche erfüllen zu können. In der Werkstatt ist ein hohes Maß an Fachkompetenz gefragt, die wir vor Ort aufbauen.

Was hat Sie in den ersten Wochen überrascht?
Wir haben beispielsweise bis Ende Juli in Innsbruck noch keinen Ton verkauft. Im Standortvergleich wird Ton in Graz stärker nachgefragt als in Wien – und ich war mir fast sicher, dass dieser Bereich
auch in Tirol stark ist. Aber vielleicht waren auch die ersten Wochen mit der Ferienzeit eine Ausnahme und mit dem Schulstart zieht auch das plastische Gestalten an.

30.000 Artikel mussten für den Standort Innsbruck bestellt, geliefert und mit entsprechender Systematik eingeräumt werden – das war sicher eine Herkulesaufgabe.
Logistisch und in Sachen Zeitplan war das eine große Herausforderung – wir waren von Materiallieferanten, Ladenbauern und Co. abhängig. Aber wir haben das gelöst, sind flexibel geblieben, haben Prioritäten gesetzt und sind nicht in Hektik verfallen. Vom Vertragsabschluss Mitte März bis zur Eröffnung Anfang Juli war ein sehr enger Zeitrahmen – das haben wir aber gewusst und darauf haben wir uns eingestellt.

Das klingt nach einer tollen Teamleistung.
Allerdings! Das Team aus Wien war viele Wochen vor Ort mit dabei, dazu kamen ab Mitte Mai unsere neuen Innsbrucker Kolleg:innen sowie Unterstützung aus Graz. Jede unserer Niederlassungen ist ein Unikat und wird auf den jeweiligen Standort angepasst – anders als bei großen Ketten, die auf fertige Storekonzepte zurückgreifen. Dementsprechend war das für jede:n Einzelne:n von uns ein echter Lernprozess.

Was hat für Sie den Ausschlag für den Standort im EKZ west gegeben?
Uns haben die Fläche und die Positionierung des Centers überzeugt, dazu die guten Parkmöglichkeiten und die Anlieferungssituation. Auch die Anbindung an den öffentlichen Verkehr mit eigener Straßenbahn- und Bushaltestelle war wichtig. Und natürlich das Umfeld: das Gymnasium und die Volkshochschule im selben Haus, die HTL für Bau und Design ganz in der Nähe und die Universität nur wenige Haltestellen entfernt.

Das Team vor Ort punktet mit einer hohen fachlichen Expertise.
Genau, viele Mitarbeiter:innen sind selbst künstlerisch tätig und haben unterschiedlichste Materialien schon ausprobiert – das hilft enorm dabei, Erfahrungen an Kund:innen weiterzugeben. Es gibt aber auch Quereinsteiger:innen, die sich bei uns weiterbilden können, etwa durch Werksbesichtigungen, Schulungen oder auch z. B. einen Malkurs. Die Expertise unserer Teammitglieder wächst mit jedem Tag.

Was steht als Nächstes an?
Als international tätiges Familienunternehmen reagieren wir gerne auf Kundenwünsche – zum Schulstart werden zum Beispiel Schulhefte, Einbände und Collegeblöcke bei uns erhältlich sein. Wir planen außerdem Workshops und Produktvorführungen, eventuell in Kooperation mit der Volkshochschule oder unserer eigenen Kunst- und Kreativfabrik. Auch Mitmachaktionen im EKZ west können wir uns gut vorstellen. Und schon am Eröffnungstag war eine Lehrerin des Gymnasiums in der Au hier, die ich persönlich durchs Geschäft geführt habe. Es ist also viel in Bewegung.

„Uns haben die Fläche und die Positionierung des EKZ west überzeugt – und natürlich das Umfeld mit Gymnasium, Volkshochschule, HTL und Universität.“

Sie sind eigentlich in Wien beheimatet – wie viel sind Sie aktuell in Innsbruck?
Ich bin aktuell noch sehr viel vor Ort – und das wird sicher noch das nächste halbe Jahr so bleiben. Aber Tirol ist mir inzwischen wirklich ans Herz gewachsen – eine wunderschöne Umgebung, und die Menschen hier sind so freundlich und offen. Ich freue mich immer, wenn ich nach Innsbruck komme.

Wie schaut es mit Ihrer künstlerischen Ader aus – sind auch Sie in Ihrer Freizeit kreativ tätig?
Ich male ab und zu für meine eigenen vier Wände, nehme mir für diese Bilder auch Zeit. Mein persönliches Interesse liegt daher bei Acrylfarben und auch Rahmen – diese sind ganz entscheidend für die Wirkung eines Bildes.

Was fasziniert Sie am Handwerk hinter der Kunst, an Material und Technik?
Dass Kunst unglaublich vielseitig ist und man nie auslernt. Es gibt immer wieder Neues zu entdecken. Kund:innen kommen mitunter auf die verrücktesten Ideen, die völlig neue Möglichkeiten und Techniken eröffnen. Gerade diese Bandbreite und auch der kreative Austausch machen den Reiz für mich aus.

Vielen Dank für das Gespräch.